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Virtueller Rundgang

Städtebauliche Überlegungen

In Handwerkszonen wie in Untermais herrscht meistens ein Gewirr von verschiedenen Architekturelementen. Jedes Bauwerk hat seine eigene Ästhetik und keines nimmt auf seine Nachbarn Bezug. Die Stellung der Bauten zueinander und zur Himmelsrichtung ist meist zufällig und von der optimalen Ausnützung der Parzellen bedingt. In so einem Gewirr ist ein einfacher Bau wohltuend. Er gibt Ordnung und hilft die Orientierung zu finden. Das Grundstück der Berufsschule liegt zudem an zwei Straßenkrümmungen, die ziemlich unübersichtlich sind. Hier kann ein langgezogener ruhiger Baukörper die Verkehrssicherheit verbessern.


Entwurf

Der Entwurf verzichtet auf komplizierte Raumfolgen und ist einfach und übersichtlich. Der Neubau ist funktional zweigeteilt: in das großflächige Untergeschoss mit den Werkstätten und in die drei Obergeschosse mit der zentralen Halle und den Schulklassen.

Beidseitig parallel zur Halle laufen die Erschließungsgänge. Die Versorgungszone liegt in der Mitte. Diese einfache Grundfigur gibt dem Gesamten eine übersichtliche Ordnung, leichtes Zurechtfinden, angenehme Atmosphäre, leichte Anpassung an sich ändernde Bedürfnisse. Die Halle als Zentrum der Anlage ist mit 10 m Breite zentrale Erschließung und Aufenthaltsraum mit Bar.

Sie erhält viel Licht von der Eingangswand und von den Dachfenstern. Wir haben bei dieser Aufgabe eine einfache Ordnung gesucht, um das komplexe Raumprogramm auf beengter Fläche übersichtlich unterzubringen. Der Pavillon auf dem Dach ist ein zusätzlicher Vorschlag.

Dieser Pavillon ist offen. Er ist angesichts der beschränkten Freiflächen eine zusätzliche regengeschützte Klasse im Freien und ein schöner Pausenaufenthaltsbereich, in dem man auch einmal laut Karten spielen kann, ohne andere zu stören.

Die Tiefgarage, im Raumprogramm nicht vorgesehen, ist auf diesem Grundstück wohl eine Notwendigkeit. Das Dach der Tischlerei wird als Garten genutzt, der abgesenkte Innenhof als Spielplatz.


Die Baustelle

Der Baubeginn war schleppend. Die erste Baufirma, Edinco aus Neapel, musste sich erst organisieren. Da sie selbst keine Arbeiter hatte, dachte sie, diese vor Ort anheuern zu können. Das ist in Südtirol mit seiner Vollbeschäftigung aber nicht möglich. Sie brachte also über Vermittler Arbeitsgruppen aus dem Süden. Diese wurden aber nach 14 Tagen meistens von der Baustelle weg abgeworben und nach Deutschland vermittelt.

Bei Beginn der Aushubarbeiten zeigt sich, dass das schöne Grundstück unter seinem Grasmantel eine Müllhalde verbarg. Diese musste erst teuer entsorgt werden. Auf dem Auffüllmaterial ließen sich dann die Fundamente nicht mehr aufsetzen. Man musste also Pfähle schlagen, die die Fundamente tragen sollten.

Die alten Maschinen, die zum Einhämmern der Betonpfähle eingesetzt wurden, erzeugten solche Erschütterungen, dass das Grundwasser, mit dem die benachbarte Firma Zipperle ihre Fruchtsäfte herstellte, plötzlich Sand mitführte. Unter diesen und ähnlichen Verwicklungen verging das erste Jahr, mit immer stotternder und langsamer Bauführung das zweite und dritte und im Herbst vierten Jahres, man war bei der Erdgeschossdecke angekommen, wurde der Firma der Auftrag entzogen.

Die nächste Baufirma, Costruzioni Generali aus Mailand, begann 1997 mit großem Schwung und einem dynamischen Bauleiter und führte das Gebäude bis zur letzten Decke. Sie verkleidete noch die Fassaden mit den schönen Sichtziegeln, glich nach Möglichkeit die Fehler der Vorgänger aus, blieb aber dann im Herbst 1998 stecken. Sie konnte die Zulieferer nicht mehr zahlen, blieb Kost und Logis schuldig, und der Firmeninhaber setzte sich nach Südamerika ab.

Die dritte Baufirma, Programma Costruzioni, erhielt nur einen beschränkten Auftrag, um die notwendigsten Abdichtungs und Dachdeckerarbeiten durchzuführen. Denn inzwischen war der sechste Winter da und das Gebäude war immer noch ohne Bedachung.

Im Mai 1999 wurde neu ausgeschrieben, mit einer beschränkten Bausumme, sodass eine europäische Ausschreibung nicht mehr notwendig war.

Endlich bekam eine einheimische Baufirma den Zuschlag. Mit der Firma Calligione wurden die Ausbauarbeiten weitergeführt und trotz der Schwierigkeiten, die eine von verschiedenen Vorgängern verpfuschte Baustelle bedeutet, auch schnell fertiggestellt.


Künstler in der Berufsschule "Dipl. Ing. Luis Zuegg"

Verteilt über die verschiedenen Abteilungen des Gebäudes finden sich einige künstlerische Eingriffe. Diese nehmen auf Themen von Arbeit und Industrie Bezug.
Für die Eingangshalle hat Jörg Hofer aus Laas einen aus drei Teilen bestehenden Farbkörper, ein Materialbild, hergestellt und den roten Betonkörper mit einbezogen. Inhaltlich befasst sich die Arbeit mit dem Themenkreis Mikrokosmos-Makrokosmos, während sie in ihrer strukturellen Gestaltung nach Analogien zwischen Naturform und Kunstform sucht.

Für die Abteilung Schönheitspflege schuf der Fotograf Andreas Zipperle eine Fotowand mit Detailaufnahmen von Körperteilen. Diese Vergrößerungen werden in einer Art von freiem Mosaik an der Wand verteilt. Im Inneren des Mosaiks werden drei Farbfotos eingebaut, die auf die farbige Welt des Parfüms hinweisen.

Eine Fotosequenz des Themenkreises Industriearchitektur oder Industriearchäologie wurde von Walter Niedermayr an den Elektroklassen ausgeführt. Dabei sind die Oberlichtgläser der Klassen im Siebdruckverfahren mit Fotos bedruckt. Das Tageslicht fällt durch die Dachfenster als Streiflicht auf die helle Wand. Aus den Klassen werden die Fotos wie projezierte Dias gesehen.

In Direktion und Sekretariat werden in Alurahmen zehn Architekturfotos angebracht. Diese wurden von Ludwig Thalheimer aufgenommen und stellen ein Produkt dar, das im Zusammenspiel von Handwerk und Industrie gefertigt wird. Ebenso von Thalheimers Büro "LUPE" stammt die grafische Bearbeitung der Broschüre zur Eröffnung der Schule.

Unter dem gläsernen Vordach des Haupteinganges hat der Bildhauer Eduard Habicher eine raumgreifende Struktur angebracht. Die Höhe der zwei plastischen Elemente beträgt ungefähr 9,5 Meter. Zwei Bänder aus rostfreiem Stahl winden sich um die starren senkrechten Stützen des Glasdaches, verbinden Innen und Außen, Oben und Unten und bleiben trotz ihrer Größe optisch leicht und dynamisch.

Nähere Auskünfte:
Im Sekreteriat der Landesberufsschule Meran „Dipl. Ing. Luis Zuegg"
Rennstallweg 24
Tel.: (+ 39 0473) 27 49 00
Fax: (+ 39 0473)  27 49 09
E-Mail: lbs.me-luis-zuegg@schule.suedtirol.it


Bildergalerie eines virtuellen Rundganges

Hier finden Sie die einzelnen Bilder des Albums. Um eine vergrößerte Ansicht der Bilder zu erhalten, klicken Sie in das Bild.

  • Eduard Habicher

    Eduard Habicher

  • Jörg Hofer

    Jörg Hofer

  • Im Vordergrund die Metallwerkstatt...

    Im Vordergrund die Metallwerkstatt...

  • Im Pausenhof...

    Im Pausenhof...

  • Der Haupteingang...

    Der Haupteingang...

  • Ansicht West

    Ansicht West

  • Im Pausenhof...

    Im Pausenhof...