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Kraftrad des Johann Kravogl

Als im 19. Jahrhundert dank der Entfaltung der Naturwissenschaften eine gewaltige industrielle Entwicklung einsetzte, brachte auch Tirol einige sehr bedeutende Erfinder und Techniker hervor. Kaum ein Erfinder hat zu Lebzeiten Ehre und Anerkennung gefunden, viele sind heute noch wenig bekannt. Wer kennt schon den Tiroler Johann Kravogl, der einer der Erfinder des Elektromotors ist.

Im Dreigestirn der Erfinder Jakob Eisendle, Johann Kravogl und Peter Mitterhofer war Johann Kravogl der Stillste, der am meisten nach Innen gekehrte. Sein Dasein ist von einer leisen Melancholie überschattet. An einem Eckhaus in der Kravoglstraße (Ansitz Rosengarten, heute Mittelschule) in Lana bei Meran ist eine Gedenktafel befestigt; darauf steht zu lesen:
In diesem Hause wurde am 24.Mai 1823 der Erfinder des ersten Elektromotors JOHANN KRAVOGL geboren.

Der Erfinder Johann Kravogl wurde am 24.Mai 1823 als erstes Kind des Gerichtskanzlisten Joseph Kravogl und der Kreszenzia Mark in Lana geboren und starb am 1.Januar 1889 in Brixen. Er lernte ab 1836 (Todestag seines Vaters) bei Josef Haring in Imst das Schlosserhandwerk. Josef Haring war der Ehemann der Tochter Rosina seines Großvaters und Taufpate Johann Kravogls in Nauders. Kravogl ging nach altem Handwerksbrauch nach Abschluss der Lehre auf Wanderschaft.

1844 war er in Zams, wo er die Pressluftmobile erfand, die heute im Landeskundlichen Museum im Zeughaus in Innsbruck stehen. Kravogl kam dann nach Innsbruck, wo er Arbeit fand. Doch wollte er sich weiterbilden. 1855 ging er nach München, wo er im Fraunhoferschen Institut eine Stelle bekam. Er besuchte Kurse und Vorlesungen und erhielt glänzende Zeugnisse. Dann kam er nach Wien, um sich hier fortzubilden. Er bekam die Note 1 mit Auszeichnung in Physik, dekadische Arithmetik, Bewegungslehre und Mechanik. 1857 kehrte er nach Tirol zurück und führte eine Mechanikerwerkstätte in Wilten. 1862 wurde er Universitätsmechaniker.

Kravogl baute 1861 eine Vakuumpumpe, bei der Quecksilber als Kolben diente und ein viel höheres Vakuum ergab als alle damals bekannten Pumpen, und 1867 den Elektromotor ("Elektrisches Kraftrad"), der alle bereits bekannten Konstruktionen weit übertraf. Krafogl stellte einige seiner Erfindungen auf der Pariser Weltausstellung 1867 aus und erhielt dort große Anerkennungen (Silbermedaille), konnte aber keinen wirtschaftlichen Erfolg ernten. Kaiser Franz Josef kaufte den Motor für das Polytechnische Institut in Wien um 2000 Gulden und zeichnete Kravogl mit dem goldenen Verdienstkreuz aus. Sein Motor ist heute im Besitz des Technischen Museums in Wien.

Kravogl entwickelte 1868 auch ein Repetiergewehr (60 Schuss in der Minute). Mit einem verbesserten Elektromotor konnte Professor von Pfaundler 1870 erstmals einen kontinuierlichen Gleichstrom vor SIEMENS erzeugen. Kravogl erfand eine lythografische Presse, einen Kondensator hochgespannter elektrischer Ströme, eine elektrische Glocke und anderes mehr. 1884 übersiedelte er nach Brixen, wo er eine Werkstatt für die Konstruktion elektrischer Apparate einrichtete. Im Vinzentinum stehen einige Apparate, und im Diözesanmuseum ist ein Brückenmodell von ihm. Kravogl betätigte sich gelegentlich als Orgelbastler.

Kraftrad

Kraftrad der 2. Klasse Fachschule für Elektrotetechnik...

1982 die deutsche Fachlehranstalt für Industrie und Handwerk und eine Straße nach Kravogl und 1983 in der Brixner Industriezone ebenfalls eine Straße nach ihm benannt. Auch in Innsbruck gibt es eine Kravoglstraße, ebenso auch in anderen Gemeinden. Der Brixner Arzt Dr. Meinrad Bonell, der auch das Studium der Elektrotechnik absolviert hat und in diesem Fach den Ingenieurtitel erwarb, ließ für Kravogl im Brixner Friedhof in der Nähe des Erfinders Grab eine Gedenktafel anbringen. Wir finden sie am zweiten Pfeiler rechts oberhalb der Grabstätte der Kapuziner seit dem November 1985. Die Gedenktafel ist aus Kupfer und wurde vom Brixner Künstler Martin Rainer geschaffen.