Hauptinhalt

Das Bekleidungshandwerk in Südtirol

Geschichte, aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven in der Schneiderei
Facharbeit zum Wirtschaflich - Rechtlichen Teil der Meisterprüfung
von Anna Maria Ramoser
ehemalige Fachlehrerin für Schneider/innen an der Landesberufsschule Meran "Zuegg"
Das Bekleidungshandwerk in Südtirol...

Inhaltsverzeichnis

1. Entstehung der Schneiderzünfte in Tirol

1.2 Gründe für die Entstehung der Zünfte und Bruderschaften

1.3 Schneidergewebe vor, während und nach der industriellen Revolution unter besonderer Berücksichtigung von Tirol

2. Wirtschaftliche Entwicklung des Schneidergewerbes im 20. Jahrhundert

2.1 Geschichtlicher Abriss

2.2 Eingetragene Schneidereien im Handelsregister von 1930 - 1998

3. Struktur des Südtiroler Handwerks unter besonderer Berücksichtigung des Bekleidungssektors

3.1 Aktuelle Situation und Probleme des Schneidergewerbes

4. Zukunftsperspektiven der Schneiderei

5. Interview: Ernst Neunhäuserer ehemaliger Herrenschneidermeister und Trachtenschneider

6. Allgemeines zur Entstehungsgeschichte der Schneiderei 

7. Literaturverzeichnis 

 Das Bekleidungshandwerk in Südtirol...Das Bekleidungshandwerk in Südtirol...Das Bekleidungshandwerk in Südtirol...Das Bekleidungshandwerk in Südtirol...Das Bekleidungshandwerk in Südtirol...


Entstehung der Schneiderzünfte in Tirol

1. Entstehung der Schneiderzünfte in Tirol

Das Schneidergewerbe zählt zu jenen Handwerken, für welche ein Zusammenschluss schon früh nachweisbar ist; das dürfte mit der zahlenmäßigen Stärke zusammenhängen.

Im Landesmuseum „Ferdinandeum" in Innsbruck befindet sich ein Bruderschaftsbuch aus dem Jahre 1340. Demnach arbeiteten in Bozen um 1237 schon mehr als ein dutzend Schneider, einige handelten auch mit Tuchen. Sie gehörten sogar zur gut bürgerlichen Schicht, was für diesen Beruf sehr ungewöhnlich war.

Im Sarntal bestand die Bruderschaft der Schneider schon vor 1328, was Inschrift und Skulpturen in der Cyprianskirche in Sarnthein belegen. 1361 wurde die Bruderschaft der Schneider in Meran gegründet. In Bozen ist das erste landesfürstliche Privileg für das Schneiderhandwerk am 19.11.1471 datiert worden.

Dieses Buch enthält besonders genaue Regelungen, die sogar das Privatleben der damaligen Meister einschließen. Nur wenige Jahre später dürfte die Schneiderzunft in Schlanders entstanden sein.

Sicher gab es noch mehrere Bruderschaften und Zünfte in Südtirol, die etwa zur gleichen Zeit gegründet worden sein dürften. Leider sind nur mehr wenige Unterlagen und Dokumente enthalten.


Gründe für die Entstehung der Brüderschaften und Zünfte

1.2. Gründe für die Entstehung der Brüderschaften und Zünfte

Die Gründe für diese Zusammenschlüsse waren vielfältig. In erster Linie sollte die Lebensfähigkeit der Betriebe gegenüber übermäßiger Besetzung abgesichert werden, so gab es z. B. in Bozen einen sogenannten „numerus clausus" der höchstens 24 Betriebe erlaubte, für Gries waren 2 vorgesehen, in Schlanders durften 32 arbeiten. Dazu wurde vor allem der heimische Nachwuchs gefördert, indem Meistersöhne und seltener Meisterwitwen bevorzugt wurden. So konnte erreicht werden, daß es Außenstehenden so gut wie unmöglich war, eine eigene Werkstatt zu eröffnen.

Die Bruderschaften regelten auch die Ausbildung des Nachwuchses, wie z. B. die Dauer der Lernzeit, Verleihung des Lehrbriefes (Gesellenbrief war damals noch nicht üblich) und Ablegen der Meisterprüfung. Aber auch für die private Lebensführung gab es sehr genaue und strenge Vorschriften, die einzuhalten waren.

Natürlich mußte das Privileg den Erfordernissen der Zeit angepaßt werden. Erzherzog Leopold präsentierte dem Bozner Stadtrat um 1700 sogar persönlich seine Neuerungen, wobei besonders die Verbindung der Schneiderei mit der Kirche hervorgehoben wurde.
Damals gehörten die Schneider zu ärmeren Handwerkern, es gab jedoch Ausnahmen. Die Gründe dafür waren verschieden. zur Ausübung dieses Handwerkes wurden relativ einfache Werkzeuge benötigt, wodurch es vielen ermöglicht wurde, diese Arbeit auszuüben. Dadurch wurde das Niveau des Schneiders wesentlich herabgesetzt. Außerdem durften die Schneider in Tirol im allgemeinen keinen Tuchhandel betreiben. Bozen bildete eine Ausnahme und dort gab es somit auch besser gestellte Schneider. Durch die Organisation in Form von Bruderschaft und Zunftwesen wurde wenigstens eignen wenigen der Lebensunterhalt gesichert.


Schneidergewerbe vor, während und nach der Industriellen Revolution

1.3. Schneidergewerbe vor, während und nach der Industriellen Revolution

Die Industrielle Revolution brachte einschneidende Veränderungen für alle Schneider. Immer schon war es notwendig, so schnell wie möglich zu arbeiten um so wenig als möglich Zeit in Anspruch zu nehmen und damit den Preis so niedrig wie möglich zu halten.

Deswegen erkannten schon relativ früh einige Händler und leider nur sehr wenige, kapitalkräftige Schneider die Vorteile des Verlagssytems. So kam es, daß viele selbstständige Schneider in Abhängigkeit gerieten und nur mehr bloße Hosen oder Rocknäher waren. Zudem verloren die Meister den Kundenkontakt und damit wurde ihnen ihr eigentliches Standbein entzogen.

Die Erfindung der Nähmaschine stellte eine große Erleichterung für fast alle Schneider dar. Für damalige Verhältnisse war die Nähmaschine relativ teuer und viele Schneider verschuldeten sich, was sie noch weiter in die Abhängigkeit trieb. So kam es, daß mit der Industrialisierung eine völlig neue Entwicklung einsetzte, die die Schneider überrollte.

In Südtirol kam es erst im Jahre 1848 zur Gründung des ersten industriellen Textilbetriebes, und zwar in Bozen. Mit großen, anfänglichen Schwierigkeiten folgten weitere Betriebe in Prunk, Brixen und Klausen, wobei vor allem qualifizierte Arbeitskräfte fehlten, sofern sie überhaupt bereit waren, in einer Fabrik zu arbeiten.

Durch das Aufkommen der Konfektion bekamen die Schneider einen neuen Konkurrenten, mit den sie nicht umzugehen wußten. Die Konfektion setzte völlig neue Maßstäbe und der breiten Masse wurde die Teilnahme am Modegeschehen ermöglicht. Die Schneider hatten inzwischen einen großen Teil ihrer ursprünglichen Qualifikation verloren und konnten nur einen Teil der Reparatur und Änderungsschneiderei auffangen. Insgesamt wurde die Tiroler Textilindustrie zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige in Tirol.

Man kannte sich aus im Leinen - Anbau, der auch in Tirol wie vielerorts in Europa seit alters her gepflegt wurde, der ursprünglich grobe Bauern - Laden wurde verfeinert und in alle Welt exportiert.
Wolle war der wichtigste und häufigste Rohstoff der im eigenen Land zur Genüge vorhanden war. Allein im Pustertal wurden um 1839 durchschnittlich 97.200 kg reingewaschene Wolle produziert.

Aus politischen Gründen wurde auch eine Baumwollspinnerei in Bozen eröffnet. So gesehen liegt Tirol in einem sehr günstigen Schnittpunkt zwischen Nord und Süd sowie Ost und West. Nach dieser Blütezeit hat die Textilindustrie in Tirol jedoch einen Wirtschaftsabschwung erfahren. Wie andere Teile des Bekleidungsgewerbes haben die Schneider die Zeichen der Zeit leider nicht verstanden.


Wirtschaftliche Entstehung des Schneidergewerbes in Südtirol im 20. Jahrhundert

2. Wirtschaftliche Entwicklung des Schneidergewerbes in Südtirol im 20. Jh.

Um die Jahrhundertwende war man der Auffassung, daß das Handwerk keine Zukunftschancen habe und daß die zunehmende Industrialisierung dem Handwerk den Boden entziehen würde. Nach den Kriegswirren im 1. Weltkrieg kam es in den 20er Jahren zu wirtschaftlichen Aufschwung und bis 1926 galt in Italien die österreichische Gewerbeordnung, dann herrscht völlige Gewerbefreiheit, der durch die Weltwirtschaftskrise 1929 gebremst wurde.

Während des 2. Weltkrieges waren die notwendigen Rohstoffe knapp geworden und auch die Schneider mußten sparsam mit allen Materialien umgehen. Ab 1948 floriert das Schneiderhandwerk in Südtirol. Mit dem 1. Autonomiestatut von 1948 wird das Handwerk und Ausbildung verankert.

In Deutschland hat sich der Gesamtumsatz des Handwerks von 19,363 Mrd. DM in 1949 über 47,724 Mrd. des Jahres 1955 auf 98,943 Mrd. für das Jahr 1962 erhöht.

Leider standen keine vergleichbaren Zahlen für Südtirol zur Verfügung. 1956 tritt die Landeshandwerksordnung in Kraft.

Der Typ des selbständigen Handwerkers, der sich nur um seine Kunden und Berufskollegen zu kümmern hatte, der für die Zeit bis zum ersten Weltkrieg charakteristisch war, hat sich sehr stark verändert. Das Handwerk mußte sich an die neue Gesellschaft anpassen. Im Rahmen der freien Marktwirtschaft wurde der Konkurrenzkampf immer härter, vor allem gegenüber der Industrie.

In den Schneidereien überwiegte 1967 der Einmannbetrieb, obwohl es gerade für diese Betriebsform schwierig ist, sich im steigenden Wettbewerb zu behaupten.

Im Jahr 1967 sehen lediglich 7% der befragten Schneider eine gute Zukunft für ihren Beruf, 57% haben eine negative Meinung über ihre Zukunftschancen und der Rest ist mit der aktuellen Situation von 1967 zufrieden.

In den Folgejahren kam es zu Wirtschaftsanstieg, von 1975 - 1981 stieg das Volkseinkommen im produzierenden Gewerbe, zu dem auch das Textilgewerbe zählt, durchschnittlich um 5% und geht ab 1982 zurück.2 In der Bekleidungsindustrie entspricht dies einem Rückgang von 3,6%.

Erneut müssen die Betriebe auf die geänderten Umweltbedingungen reagieren , z.B. durch Verbindung des Berufes mit einer nahestehenden Tätigkeit (Strickerei, Kofektionsbetrieb) oder durch Spezialisierungen (Trachten oder Uniformenschneider).

Wie aus der erstellten Statistik ersichtlich, kommt es in den 80er Jahren zum Rückgang von Schneidereibetrieben in Südtirol. Neben den allgemeinen wirtschaftlichen Problemen (Konkurrenzdruck der Industrie und Konfektion) und der ständig steigenden Steuerlast stellt auch die Schwarzarbeit1 ein sehr großes Problem dar.

Sehr oft sind es Frauen, die einige Jahre in einer Schneiderei arbeiteten und dann wegen Heirat ihren Arbeitsplatz aufgeben, aber ihren erlernten Beruf in Form von Schwarzarbeit weiterführen. Dies wirkt sich in zweierlei Hinsicht negativ aus: Erstens werden aufgrund niedriger Kosten die Preise der ordnungsgemäß gemeldeten Schneider unterboten und außerdem wird oft ein Teil des Kundenkreises des ehemaligen Arbeitgebers übernommen. Eine Folge davon ist unter anderem auch, daß in diesem Gewerbe so gut wie keine neuen Lehrlinge mehr aufgenommen werden.

Südtirol hat einen hohen Anteil am Fremdenverkehr und davon profitiert in erster Linie das Kunsthandwerksgewerbe, aber auch die übrigen Bereiche wie die Schneidereien, die die Faszination der Touristen von der Eigenart und Kultur des Landes und von der Handarbeit allgemein zu nutzen wissen müssen.

Der Stammkundenkreis der gutgehenden Schneiderei im ausgehenden 20. Jahrhundert wird jedoch sicher nicht nur im Tourismus zu finden sein. Vielmehr wird der Wunsch nach individueller Kleidung und das Wiederentdecken der kulturellen Werte (z.B. auch der Trachten) der Südtiroler Bevölkerung die Grundlagen für eine sichere Zukunft der Schneidereibetriebe in Südtirol darstellen. So wird mit dem Ansteigen der Anzahl von Schneidereien im Jahre 1997 dieser Trend bestätigt


Geschichtlicher Abriss

2.1. Geschichtlicher Abriss

1919 Friedensvertrag von Saint Germain - Tirol südlich des Brenners kommt zu Italien

1922 Faschisten treten Marsch auf Rom an, Mussolini übernimmt die Macht im Staate

1924 wird das Firmenregister der Handelskammer angelegt und es entstehen Faschistische Berufsorganisationen

1926 Die Österreichische Gewerbeordnung wird abgeschafft und in Südtirol herrscht völlige Gewerbefreiheit

1935 Mussolini erteilt der oberitalienischen Industrie den Auftrag, Niederlassungen in Südtirol zu gründen, 1939 wird die sogenannte Option eingeführt

1945 Anfang Mai rücken die Alliierten in Südtirol ein und die Faschistischen Organisationen werden aufgelöst

1945 Gründung des LVH durch Enrico Pedrotti

1945 Der 1. Kollektivvertrag der Handwerker der Prov. Bozen wird abgeschlossen

1948 Das 1. Autonomiestatut wird verabschiedet und beinhaltet die primäre Gesetzgebungsbefugnis für das Handwerk und die handwerkliche Berufsausbildung zugunsten der Region

1949 Die 1. freiwillige Berufsschulklasse wird eingeführt

1950 Handwerker erhalten die Kreditmöglichkeit von max. 500.000 Lire

1951 Kranken - und Unfallversicherungskasse für Handwerker wird eingeführt

1951 wird das 1. Handwerksförderungsgesetz verabschiedet

1952 Landesberufsschulgesetz tritt in Kraft

1958 Jährliche Abfassung der Steuererklärungen wird vorgeschrieben

1960 Die ersten Meisterbriefe werden vergeben

1961 Die Gründung von Berufsgruppen innerhalb des LVH wird ermöglicht

1968 Große Modeschau "Mode im goldenen Herbst" in Bozen und Meran

1973 Einführung der Mehrwertsteuer

1976 Erste Ausbildungsbeiträge für Handwerker mit Lehrlingen

1981 Neue Meisterprüfungsordnung

1983 Mehrarbeit durch die Pflicht zum Ausstellen von Steuerquittungen

1985 Steuergesetz "visenti bis" macht den Handwerkern schwer zu schaffen

1985 Staatliche Handwerksordnung tritt in Kraft

1987 Urteil des Verfassungsgerichtshofes gegen den Meisterbrief

1989 Gründung der LVH Service Genossenschaft ist notwendig geworden um Datenverarbeitung der Mitgliedsbetriebe zu gewährleisten

1991 Kündigungsschutz schränkt die Flexibilität von Kleinbetrieben in ihrer Personalpolitik wesentlich ein

1991 Rotationsfonds zur größeren Gerechtigkeit bei der Zielgruppenbestimmung von Wirschaftsförderungen

1993 Einführung der Minimum Tax

1993 Vollendung des Binnenmarktes in der EU

1993 Mastrichter Vertrag tritt in Kraft

1994 Im Bozner Landtag findet eine gemeinsame Sitzung der Landesregierungen von Nord und Südtirol statt - Europaregion Tirol

1998 Schengener Abkommen

1999 Einführung der Einheitswährung „Euro" im bargeldlosen Zahlungsverkehr


Eingetragene Schneidereien im Handelsregister von 1930 bis 1998

2.2. Eingetragene Schneidereien im Handelsregister von 1930 - 1998

Die wirtschaftliche Entwicklung der Schneidereien verläuft ziemlich parallel mit jener des übrigen Handwerksektors. 1930 war in der Handelskammer der Provinz Bozen lediglich eine Damenschneiderin eingetragen.

Erst mit dem Ende des 2. Weltkrieges verbesserte sich die wirtschaftliche Situation insgesamt und ab diesem Zeitpunkt steigt die Anzahl der Schneidereibetriebe in Südtirol. 1945 wurde nach dem Auflösen der faschistischen Organisationen der Landesverband der Handwerker gegründet. Im selben Jahr wurde der erste Kollektivvertrag abgeschlossen, später wurde die Kranken - und Unfallversicherungskasse für Handwerker eingeführt. Diese Entwicklung begünstigte die Neugründung von Schneidereibetrieben.
Laut Klassifizierung der Haupttätigkeit übten 1950 14 Maßschneider ihren Beruf selbständig aus.

Die Handwerker erreichten nach und nach Steuererleichterungen und wurden von der Industrie getrennt. Die Wirtschaft florierte und davon profitierte auch die Schneiderei.

Im Jahr 1960 wurden die ersten Meisterprüfungen abgelegt, es gab 100 Maßschneider und 3 Damenschneider in Südtirol. Erst 1966 meldete ein Betrieb die Herrenschneiderei als seine Haupttätigkeit. 1970 waren 170, in den 80er Jahren über 200 Schneidereien gemeldet. 1973 wurde die Mehrwertsteuer, 1981 die neue Meisterprüfungsordnung eingeführt.

Die Entwicklung erreichte 1982 ihren Höhepunkt mit 239 gemeldeten Betrieben.

Neue Steuergesetze (Visenti bis 1985) und die Pflicht zum Ausstellen von Steuerquittungen machten den Handwerkern schwer zu schaffen. Begünstigt durch diese Gesetze kam es zu den ersten Anzeichen der wirtschaftlichen Rezession in den 80er Jahren. Dieser Trend der rückläufigen Betriebsanzahl setzt sich bis ins Jahr 1996 fort, wo erstmals wieder eine steigende Anzahl von Schneidereibetrieben zu beobachten ist.


Struktur des Südtiroler Handwerks unter Berücksichtigung des Bekleidungssektors

3. Struktur des Südtiroler Handwerks unter besonderer Berücksichtigung des Bekleidungssektors

Gründung und Anzahl der Hanwerksbetriebe
Die meisten Firmen werden in den 70er und 80er Jahren gegründet. Gegliedert nach Sektoren beträgt das durchschnittliche Alter der Betriebe im Bereich Textilien - Bekleidung 18 Jahre. Daraus kann man schließen, daß viele Betriebe traditionsgemäß weiter geführt wurden.
Die Anzahl der Handwerksbetriebe wird von der Gesamtentwicklung der Wirtschaft beeinflußt. Der Wirtschaftsboom in den 70er Jahren ist der Grund für den hohen Zuwachs an Handwerksbetrieben im allgemeinen und ebenso an Schneidereien, welche dem selben Trend folgen. Die wirtschaftliche Rezession Anfang der 80er Jahre führte zum Einbruch dieser Entwicklung. Seither nimmt die Anzahl an Schneidereien in Südtirol ab, die Anzahl anderen Handwerksbetriebe steigt nur mehr geringfügig.

Rechtsform der Handwerksbetriebe
Handwerksbetriebe können nur Personengesellschaften oder Einzelunternehmen sein und aufgrund der kleinstbetrieblichen Struktur sind über 80% der Handwerksunternehmen Einzelfirmen. Die Rechtsformen von OHG und KG konzentrieren sich auf die Handwerksbetriebe mit mehr als 5 Beschäftigten.

* Einzelfirma 81,5%
* Kommanditgesellschaft 3,8%
* Offene Handelsgesellschaft 13,1%
* sonstige (im wesentl. De facto Gesellschaften) 1,6%

Größenklassen der Südtiroler Handwerksbetriebe nach Beschäftigten
Die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 2,9 Beschäftigte. Damenschneidereinen beschäftigen im Durchschnitt 2 Personen pro Betrieb, Herrenschneidereien durchschnittlich 2,4 Personen pro Betrieb. 48% der Handwerksbetriebe sind Einmannunternehmen, 13 % haben mehr als Beschäftigte. Diese stellen jedoch fast die Hälfte der im Handwerk tätigen Personen dar.

Quantifizierung der Wirtschaftsleistung (Umsatz)
Der wirtschaftliche Erfolg des Handwerksbetriebes hängt nur zum Teil von der Art der Tätigkeit ab; wichtig ist auch die Größe des Betriebes. Wurde in einem Ein - Mann Betrieb 1990 ein durchschnittlicher Umsatz von 38 Mio. erwirtschaftet, so steigt dieser in Betrieben mit 11-20 Beschäftigten auf 98Mio Lire. Die Umsätze sind also auf die größeren Betriebe konzentriert. Wie bereits erwähnt, beschäftigen 13% der Handwerksbetriebe mehr als 5 Mitarbeiter, in diesen Betrieben arbeiten 46% aller Beschäftigten, die 56% des Umsatzes im Handwerk erwirtschaften.

 


Aktuelle Situation und Probleme des Schneiderhandwerks

3.1. Aktuelle Situation und Probleme des Schneiderhandwerks

Bereits vor der Industrialisierung bis nach dem 2. Weltkrieg gehörten die Schneidermeister in der Regel zu den ärmeren Handwerkern. Mit dem Boom in den 70er Jahren florierten die Schneidereibetriebe, in den 80er Jahren wurde diese Entwicklung durch die ersten Anzeichen der wirtschaftlichen Rezession ein jähes Ende gesetzt. Bis zum Jahr 1996 war die Anzahl der Schneidereibetriebe rückläufig und steigt 1996 erstmals wieder an. Im Oktober 1992 betrug der Anteil von Damen und Herrenschneidereien 0,6% am gesamten Handwerk.

Diese rückläufige Entwicklung läßt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. Eine wesentliche Rolle dürften die hohen Steuerbelastungen spielen, die sich auf diesen sehr arbeits- und zeitintensiven Sektor besonders empfindlich auswirken. Steuern sind in der Betriebsstrategie eine ganz zentrale Größe, die kurzfristig die Rentabilität und die Wettbewerbsfähigkeit beeinflussen und langfristig auch die Attraktivität eines Gebietes für Betriebsansiedelungen bestimmen. Die formale Belastung ist für die Kleinbetriebe überproportional groß und wirkt wettbewerbsverzerrend.

Die zu entrichtenden Steuern (Steuernzahllast) haben einen progressiven Verlauf, das heißt mit zunehmender Betriebsgröße steigt auch die Steuerzahllast pro Beschäftigten. Steuerentrichtungskosten hingegen wirken regressiv, das heißt kleine Unternehmen werden also relativ stärker belastet. Den größten Teil an Steuerentrichtungskosten haben kleine Unternehmen durch die Ausgaben für den Steuerberater, die größeren Betriebe hingegen durch das Ausstellen der Steuerquittungen. Steuerentrichtungskosten im weiteren Sinn (z.B. Zeitaufwand für Buchführung, Inventar, Zeit zum Aneignen von Wissen über Steuergesetze) sind ebenso besonders für Kleinunternehmen sehr belastend.

Durch diese Gegenüberstellung (s. Abb. Steuerzahllast und Steuerentrichtungskosten pro Beschäftigten) kommt man zu Ergebnis, daß die Steuerentrichtungskosten 157% bei kleinen, 90% bei mittleren, und 13% in größeren Betrieben mit über 15 Beschäftigten ausmachen. Da es sich beim typischen Schneidereibetrieb um Kleinstbetriebe mit durchschnittlich 2,2 Beschäftigten handelt, dürfte die Steuerlast an sich und die Steuerentrichtungskosten, die sich auf diese Betriebsform besonders negativ auswirken, eine besondere Belastung für die Betriebe darstellt.

Ebenso ist die Höhe der Lohnkosten ein Faktor, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Betriebes wesentlich mitbestimmt.
Wenn die Lohnkosten ins Verhältnis mit der Arbeitsproduktivität gesetzt wird, verlieren einige Wirtschaftsstandorte ihren Reiz, da die Kosten mit der Leistungsfähigkeit sinken.1 Dies gilt besonders für Spanien und Großbritannien sowie die süditalienischen Regionen. In Südtirol sind die Lohnstückkosten relativ hoch, was auf eine geringe Produktivität hinweist.

Durch die besondere Wirtschaftsstruktur Südtirols (großer Landwirtschafts -und Dienstleistungsanteil) arbeiten die Betriebe relativ arbeits -und lohnintensiv. Die Arbeitskraft in Südtirol kostet jedoch deutlich weniger als in Österreich oder Deutschland, damit liegt Südtirol im internationalen Vergleich im oberen Mittelfeld.
Wie bereits erwähnt, trägt die Arbeitsintensität des Dienstleistungssektors zu diesem Ergebnis bei. Auch das Schneidergewerbe ist sehr arbeitsintensiv und damit mit hohen Lohnkosten verbunden. Dadurch werden viele Schneider weniger Personal einstellen können, was wiederum den Umsatz vermindert. Somit tragen neben der Steuerbelastung auch die Lohnkosten zur Lage der Schneidereibetriebe bei.

Als weitere Faktoren sind Ausbildung und Qualifikation der Beschäftigten wichtig für die Leistungsfähigkeit von Unternehmen, sowie für die volkswirtschaftliche Entwicklung des Landes insgesamt. Gut ausgebildete, qualifizierte Mitarbeiter, welche sich in ihrer Ausbildung weiterentwickeln sind Grundvoraussetzung für das Florieren der Wirtschaft.1
Die Ausbildung zum/r Damen oder Herrenschneider/in kann in Südtirol durch den Besuch der Fachschule für Schneider in Meran oder auf die herkömmliche Weise, der Lehre, absolviert werden. Die Fachschule für Schneider erfreut sich seit ihrem Bestehen steigender Schülerzahl. Die Anzahl der Schneiderlehrlinge sinkt jedoch weiter.
Im Grunde genommen kann jeder Geselle einen Lehrling, jeder Meister zwei Lehrlinge ausbilden, ohne eine Befähigungsprüfung abzulegen, wie dies z. B. in Tirol der Fall ist.

Leider haben die Lehrberufe immer noch mit einem Imageproblem zu kämpfen, besonders an den italienischen Schulen. Außerdem scheint in Südtirol der Einfluß des Elternhauses auf die Schul oder Berufswahl der Kinder sehr stark zu sein. Schüler, deren Väter über eine Matura oder einen Universitätsabschluß verfügen, haben eine relativ zurückhaltende Einstellung zur Lehre.

Nach der Betrachtung dieser Aspekte kann gesagt werden, daß das wirtschaftliche Umfeld dem Schneidergewerbe einige Schwierigkeiten und Probleme bereitet, die es zu lösen gilt. Die Schneidermeister werden sich wiederum den Erfordernissen der Zeit anpassen und ihre Wirtschaftsstrategie überdenken müssen. Durch gezieltes Marketing, Präsenz auf Messen usw. könnte der Kundenkreis sicher erweitert werden. Die Beteiligung der Südtiroler Handwerker an Messen ist jedoch sehr gering. Im Jahr 1990 nahmen lediglich 1,2% regelmäßig an Messen teil, 2,8% selten und 96% haben noch nie an einer Messe teilgenommen.

Anschließend sei der positive Trend erwähnt, der in den letzten Jahren zum zahlenmäßigen Anstieg von Schneidereien geführt hat. So soll es zur Aufgabe gemacht werden, diese Tendenz zu unterstützen, um somit ein wichtiges Stück unserer Kultur zu erhalten.


Zukunftsperspektiven der Südtiroler Schneider

4. Zukunftsperspektiven der Südtiroler Schneider

In dieser Arbeit wurde bisher versucht, die geschichtliche und wirtschaftliche Entwicklung bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt darzustellen. Dabei hat sich gezeigt, daß der goldene Boden für das Schneiderhandwerk zunehmend schmaler geworden ist, manchmal wird sogar bezweifelt, ob das Schneiderhandwerk zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung überhaupt noch notwendig sei. Die Berechtigung für das Fortbestehen des Schneiderhandwers liegt ausschließlich beim Markt, d. h. bei den Bedürfnissen des Verbrauchers für die Erzeugnisse des Schneiders. Deswegen muß der Markt im Sinne des Fortbestandes des Schneiderhandwerkes beeinflußt werden.

In Folge der allgemeinen Tendenz zur Individualisierung des Marktes werden nicht mehr sterile Massenprodukte, und eine Uniformierung der Gesellschaft gefragt sein, sondern individuelle Qualitätsware, denn die Einteilung der Konsumenten in Standardgrößen erscheint den Verbrauchern in zunehmenden Maße beengend. Menschen sind Individualisten, die sich unterscheiden wollen, besonders äußerlich. Der Schneider kann das spezielle Bedürfnis nach Individualität befriedigen. Es ist seine Aufgabe, diese Entwicklung zu erkennen, die traditionellen Fertigungsweisen mit innovativen Techniken zu verbinden und damit die Eigenart und Kulturgut zu erhalten.
Auch der Trend zu mehr Qualität wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Die Qualität der Arbeit ist die Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Handwerksbetriebes. Sie ist nicht nur für den Kunden wichtig, sondern auch für das Fortbestehen des Betriebes.

Um dieser Forderung gerecht zu werden, sind gute Fachkräfte notwendig, die die Materie beherrschen und unter Anwendung verschiedener Techniken eine Verbesserung der Ausbildung und die ständige Weiterbildung werden unumgänglich sein, um auf dem Markt zu bestehen.

In diesem Zusammenhang werden auch Kontakte zum Ausland für den Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung notwendig sein. Es gibt bereits Modellversuche zu grenzüberschreitenden, handwerklichen Partnerschaften. So pflegen die Maßschneider bereits seit vielen Jahren Kontakte mit ihren Berufskollegen in der Schweiz, in Österreich und Deutschland. Außerdem findet alle zwei Jahre der Weltkongreß der Schneider statt, an dem Delegationen aus allen Teilen der Welt teilnehmen. Diesbezügliche Maßnahmen werden auch von der EU unterstützt. Man erwartet sich von Europa für das Südtiroler Handwerk auch eine Aufwertung des Meisterbriefes.
Gleichzeitig wird die Verschulung der Gesellschaft fortschreiten und parallel dazu kommt es zu einer Aufwertung der Praktika, die es noch verstehen, handgefertigte, praktische Arbeiten durchzuführen. Schneider mit einem aktualisiertem Fachwissen werden in einem Volk von Akademikern sicher notwendig sein.

Neue Technologien werden dadurch entwickelt und die Arbeit erleichtert. Die Datenvernetzung könnte beispielsweise schon bald dazu führen, daß der Schneider aufgrund der Zeitersparnis für bürokratische Prozeduren wieder mehr zu seiner ursprünglichen, eigentlichen Arbeit zurück kehren kann.
Voraussichtlich dürfte den Schneidereien auch der industrielle Trend nach Einschränkung und Vereinfachung des Produktionsprozesses zugute kommen. Der Handwerker ist aufgrund seines Fachwissens mit allen Bereichen der Fertigung, von der Schnittaufstellung bis zur Fertigung bestens vertraut und dadurch viel flexibler. So kann er Kundenwünsche auch noch in der Herstellungsphase berücksichtigen.
Für den Kunden ist jedoch auch die psychologische Funktion seines Schneiders wichtig. Durch diese Kundennähe, verbunden mit Flexibilität und Leistungsfähigkeit können die klein strukturierten Betriebe ihre Marktsituation festigen, vielleicht sogar ausbauen.
Die soziale Funktion des Handwerks ist in Form von Ausbildungsmöglichkeit, Arbeitsplatzbeschafftung und Stabilität ebenso bedeutend.

Unterstützt werden könnte dieser Prozess von der Wirtschaftsförderung.
Dem Schneiderhandwerk kann durch gezielte Maßnahmen sicher zu höheren Leistungen verholfen werden. Fest steht jedoch, daß die Haushaltsmittel in den kommenden Jahren knapper werden.
„Hilfe von oben" alleine wird für die Schneider sicher nicht die gewünschten Ergebnisse bringen. Vielmehr werden bestens ausgebildete Schneidermeister ihre Kundennähe nutzen müssen und hochwertige Qualitätswaren herstellen. Diese Qualität muß aber öffentlich präsentiert werden, denn wer nicht kommuniziert, existiert nicht. Kommunikation bedeutet Leben. Die Bedeutung des Mediums Marketing wird in Südtirol vielfach unterschätzt, wird aber zum Fortbestand der gesunden Betriebe notwendig sein.

Zusammenfassend kann man sagen, daß der erfolgsbewusste Schneider des 20. Jahrhunderts für Tendenzen aufgeschlossen sein muß und einsichtig für die Erfordernisse des Marktes. Der Schneider muß ein aufgeschlossener und dynamischer Unternehmer sein, der erfolgsbewusst betriebliche Entscheidungen trifft. Er soll Wirtschafts- und Steuerberater, Rechtsanwalt, Bürokrat und Marketing - Experte zugleich sein (und Schneider!?)
Maßbekleidung ist im Bewußtsein des Verbrauchers Ausdrucksmittel persönlicher Kultur und ist somit gefragt. Eines ist sicher, wie die Gravitationsgesetze der Natur „Kleider machen Leute" und deswegen machen Leute Kleider.

 


Interview mit dem ehemaligen Herren- und Trachtenschneider Ernst Neunhäuserer

5. Interview

Ernst Neunhäuserer ehemaliger Herrenschneider und Trachtenschneider

Ernst Neunhäuserer wurde im Jahre 1912 in Olang geboren. Bei seinem Vater erlernte er 1927 dieses Handwerk und übte es bis 1990 aus. Von der Schneiderinnung des Landesverbandes erhielt er als dienstältester Schneider Südtirols im Jahre 1996 für 59 Berufsjahre eine Ehrenurkunde. Seit 1980 gehört er der Arbeitsgemeinschaft „Lebendige Tracht" in Bozen an. 1982 wurde er mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol ausgezeichnet, 1997 vom Landesverband für Heimatpflege in Südtirol für sein besonderes Wirken im Pustertaler Trachtenwesen mit dem Verbandsverdienstzeichen geehrt.

1. Wie bewerten Sie die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Südtiroler Maßschneider?
An der gegenwärtigen Situation wird sich nicht viel ändern. Um sie zu verbessern muß der Konfektion Arbeit weggenommen werden. Darin sehe ich eine Chance, besonders im Bereich der Trachtenschneiderei.

2. Wie kamen Sie zum Trachtenschneider?
Nach dem 2. Weltkrieg gab es kein Material und auch keine Schnitte oder Kurse. 1950 wurde der erste Schnittzeichenkurs abgehalten. Meine Schnitte, die ich mir inzwischen erarbeitet habe, saßen jedoch viel besser.
Am Anfang war die Konfektion sehr schlecht und wir hatten sehr viel Arbeit. So hatte ich zu erst 30, dann 100 Mäntel pro Jahr gearbeitet. Meistens waren die Mäntel blau. Die Schneiderei lief sehr gut, dann habe ich nach und nach für das ganze Pustertal gearbeitet.
In den 60er Jahren habe ich dann mit den ersten Trachten angefangen. Damals waren es noch einzelne. Dann wurde die Konfektion immer besser und billiger, die Stundenlöhne waren zu hoch und so wurde es immer schwieriger. Ich bin dann auf Trachten umgestiegen, das ist ein sicheres Geschäft.

3. Seit 1996 gibt es wieder mehr Schneider in Südtirol. Worauf führen Sie diesen Trend zurück?
Wie es vor allem in der Trachtenschneiderei immer mehr Arbeit gibt. Die Kapellen hatten früher 30 Leute, heute haben sie bis zu 80 Personen. Trachtenschneiderei sehe ich als ein Gewerbe mit viel Zukunft. Zu mir sind viele Schneider gekommen, um etwas von der Tracht zu erfahren.

4. Wo liegen die größten Schwierigkeiten und Probleme des Schneidereibetriebes?
Ein großes Problem sind die Angestellten, sie sind zu teuer. Deswegen sind die meisten Schneidereien Einzelbetriebe. 20% Mehrwertsteuer, das ist zu viel und dazu kommt noch die Einkommenssteuer von mindestens 20%. Der Schneider kann nicht willkürlich die Preise erhöhen. Steuer und Lohn sind also die Hauptprobleme.

5. Wo liegen die besonderen Stärken der Schneider im Südtiroler Wirtschaftsraum in einem vereinten Europa?
Früher gab es im Wirtschaftraum Südtirol noch einige Textilfabriken: In Bozen die Stoffabrik NAGELE und später die Baumwollspinnerei, die das bekannte Bozner Haustuch herstellte. In Klausen war es SCHEIDLE und KLUG UND JÖRG. Heute ist nur mehr MOESSMER übrig. Die Firma war früher immer eher zurückhaltend und exportiert heute in alle Welt.
Die Schneider arbeiten meist sehr stark mit ihrer unmittelbaren Umgebung (Kundennähe) zusammen, darum glaube ich, dass Europa an der Arbeit der Schneider sehr wenig ändern wird. Aber so genau kann ich das jetzt noch nicht sagen.
Der Euro wird sich auf das Handwerk weniger auswirken, eher im Stoffhandel.

6. Haben die Südtiroler Schneider auch im modernen Europa noch genügend Raum?
Ja sicher, wenn sie gut arbeiten. Ich glaube nicht, daß weniger werden; sie müssen sich aber spezialisieren und weiterbilden.

7. Was sind die wichtigsten Bedingungen für das Florieren des Schneiderhandwerks in Südtirol?
In erster Linie muss die Qualität stimmen. Nur das Mittelmaß, das ist zu wenig. Jeder Schneider muss in einer Qualität führend sein, einen bestimmten Fachbereich ausbauen und er wird immer genug Arbeit haben.


Literaturverzeichnis
* Satzungen der Schneiderzunft im Sarntal von Georg Mutschlechner 1971

* Tiroler Wirtschaftstudien - Schneiderzunft in Bozen - 33. Folge Franz Huter 1986

* Untersuchung der Kostenstruktur der Südtiroler Textilwirtschaft, wirtschaftliche Dissertation von Manfred Zöggeler 1984

* Textilwirtschaft Südtirols, wirtschaftliche Dissertation von Peter Steuer 1960

* Südtirols Sozialprodukt, Amt für Statistik und Studien der autonomen Provinz Bozen 1984

* Struktur des Südtiroler Handwerks Handelskammer Provinz Bozen 1992

* Direkte und indirekte Steuerbelastung Handelskammer Provinz Bozen 1995

* Lohnkosten in Südtirol WIFO Handelskammer Provinz Bozen 1997

* Die Bildungsbilanz Südtirols Handelskammer Provinz Bozen 1997

* Lehrlingswesen in Süd- und Nordtirol Handelskammer Provinz Bozen 1998 / 5

* Lexikon des alten Handwerkes, Reinhold Reith, Verlag CH Beck 1990

„Es müsste endlich wieder einmal ein Kulturbewusstsein erreicht werden, das sich vom widerwertigen Snobismus der ‘höheren' Ausbildung befreit hat. Eine Gesellschaft, die endlich draufgekommen ist, dass ein Mann der schöne Schränke (oder Kleider) bauen kann, gebildeter und glücklicher ist, als ein alternder Soziologe, der die Welt nicht mehr versteht"

W.W. Schlamm, Journalist

 


Entstehung und Geschichte der Schneiderei

6. Entstehung und Geschichte der Schneiderei

Der Beruf des Schneiders entstand, als differenzierte Formen der Bekleidung einen Zuschnitt, ein Schneiden des Stoffes und damit ein Schneidern notwendig machten. Ursprünglich als hauswirtschaftliche Tätigkeit, vor allem Frauenarbeit, wuchs die Kleiderproduktion mit der Herausbildung eines zünftig kontrollierten Gewerbes seit dem 12. und 13. Jahrhundert aus der Hauswirtschaft heraus. Außerhalb der Klöster, wo sie schon seit dem 11. Jahrhundert vorkamen, sind männliche Schneider in den Städten bereits recht früh nachgewiesen, so z. B. in Köln in den Bürgerlisten der Jahre 1135/1180. Seit dem 14. Jahrhundert waren sie zunehmend in Zünften organisiert.

(Braunschweig 1325, Frankfurt 1352, Münster 1366, Lübeck 1370)
Da die zünftigen Schneider kein Recht hatten, mit Rohstoffen zu handeln, mußten sie alle Stoffe, soweit diese nicht ohnehin von dem Kunden gestellt wurden bei den Tuchhändlern (Tucherer, Gewandschneider) beziehen. Um den Handel mit Fertigprodukten auszuschließen, war es verboten auf Vorrat zu produzieren.

Daneben wurde, wie in den anderen Handwerken auch die Zahl der Gesellen und Lehrlinge beschränkt, z. B. vier Gesellen waren in Frankfurt am Main erlaubt. Der Beruf wurde zunächst überwiegend von Männern ausgeübt. Allein in der Damenschneiderei fanden gelegentlich auch Frauen Beschäftigung. Ein Ausnahmefall bildete Köln, wo es Frauenzünfte gab, in denen die Damenschneiderinnen zusammen geschlossen waren. Häufiger arbeiteten schneidernde Frauen außerhalb der Zünfte als Kleidernäherinnen und Flickschneiderinnen. Soweit sie dabei als sogenannte Wäscheschneiderinnen oder Weißnäherinnen ausschließlich Tisch oder Bettwäsche nähten, zählten sie nicht zur eigentlichen Schneiderei.

Während die zünftige Organisation von Damenschneiderinnen einen Ausnahmefall darstellte, war die Mitarbeit von Meisterfrauen und Töchtern in allen Bereichen der Schneiderei verbreitet. Die Ehefrauen betreuten oft die weiblichen Kunden und führten insbesondere die Anproben durch.

Gegenüber dem Nähen stellte der Zuschnitt bzw. die Formgebung stets die qualifiziertere Tätigkeit dar. Dies drückt nicht zuletzt die Berufsbezeichnung „Schneider" aus. Solange man nur geringe Kenntnisse von der Proportionslehre hatte, blieben die Schnittmuster vor allem dem Erfahrungswissen des Schneiders verhaftet und in Folge dessen oft recht grob. Die Maße, die mittels Schnüren und Papierstreifen festgestellt wurden, bezogen sich in erster Linie auf die Menge des erforderlichen Stoffes. Ein Fehler beim Zuschnitt war teuer, weshalb Gesellen und Lehrlinge im Schneiderhandwerk in der Regel nicht zuschneiden durften.

Erst zwischen 1835 und 1850 hielten drucktechnisch vervielfältigte Schnittmusterbögen - und damit erstmals standardisierte Größen - Einzug in gewerbliche Betriebe und häusliche Nähstuben. Das Zuschneiden des Stoffes geschah mit einer Zuschneideschere, dem Symbol des Schneiderhandwerkes. Erste Scharnierscheren gibt es seit dem 14. Jahrhundert.

Nach dem Zuschnitt beginnt die Arbeit des Nähens, die in der Herstellung einer Stichfolge besteht. Die Produktivität des Handnähens blieb begrenzt, auch als die rostfreie Nadel erfunden und stets feinere Leinen und Wollzwirne, später auch Baumwoll - und Seidenzwirne hergestellt wurden. Die Arbeitshaltung der Männer, und nur der Männer ist der Schneidersitz, um die Verarbeitung besonders schwerer Stoffe zu erleichtern. Als Schutz für den Mittelfinger wurde der Fingerhut eingeführt. Zum Bügeln gab es Hohleisen (mit glühenden Bolzen oder mit Holzkohle gefüllt) und Volleisen (wurden im Bügelofen erhitzt), deren Handhabung recht schwierig war. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erleichterten Gas - und Elektrobügeleisen die Arbeit.

Schneider gehörten nicht zu den wohlhabenden Handwerkern, sondern fanden sich auffallend oft auf den städtischen Almosenlisten. Sie waren anfälliger für außerzünftige Konkurrenz als kapitalintensivere Gewerbe. Nur einige wenige Meister bedienten die reiche Kundschaft, insgesamt bestimmte das sprichwörtliche Bild des armen Schneiderleins das Berufsbild. Schneider besaßen seltener Häuser in denen sie arbeiteten und ihre Söhne wurden in 17, und 18. Jahrhundert besonders häufig Manufakturarbeiter oder Soldaten. Die schwierige wirtschaftliche Lage ist bereits für das späte 14. Jahrhundert belegt. Verschärft wurde sie durch die ausgeprägten saisonalen Schwankungen der Nachfrage. Hektischer Betriebsamkeit z. B. zwischen Ostern und Pfingsten stand eine mehrere Monate währende „flaue Zeit" gegenüber. Dies betraf die Gesellen zunächst vermittelt durch recht kurze Arbeitsverhältnisse, seit dem späten 18. Jahrhundert dann immer häufiger durch die Einführung des Tag -und Stücklohnes.

Nur wenige Gesellen vermochten sich während ihrer Gesellenzeit besondere Fertigkeiten anzueignen und kamen während ihrer Wanderschaft z. B. nach Paris. Überhaupt spielte die Wanderung eine geringere Rolle als in vielen Handwerken, die zudem ein weit entwickeltes Unterstützungswesen kannten. Selbst in einer bedeutenden Messestadt, wie Frankfurt am Main, kam 1762 ein großer Teil der Gesellen aus der direkten Umgebung. Dies erklärt unter anderem auch die zahlenmäßig große Anzahl von zünftig organisierten Meistern, aber auch vielen Konkurrenten, wie aktiven Störern, Pfuschern und Bonhasen. Daneben verschlechterte vor allem das Verlagssystem die Lage der Schneider. Schon früh hatten Kriegsaufträge in der Uniformschneiderei Ansätze zur standardisierten Massenproduktion gegeben. Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte das Verlagssystem seinen Durchbruch. Tuch - und Altkleiderhändler, seltener Schneidermeister ließen nun zunehmend Schneider und Schneiderinnen für sich arbeiten, die durch dieses System von Kunden abgeschnitten wurden und in die Abhängigkeit gerieten. Ebenso wurde dadurch der traditionelle Meisterhaushalt aufgelöst und vor allem verheiratete Arbeitskräfte arbeiteten in Heimarbeit.

Im Verlag wurde im steigenden Maße Konfektion produziert und Arbeitsteilung und Spezialisierungen voran getrieben. Die Schneider verloren einen großen Teil ihrer Qualifikation und waren nun bloße Rock - Westen - Hosenarbeiter. Die Dequalifizierung wurde vorangetrieben, als häufig Arbeitskräfte nur angelernt wurden. Mit der Entwertung und Aushöhlung des traditionellen Berufsbildes verlor die Schneiderei zentrale Elemente ihres handwerklichen Charakters. All das trug dazu bei, daß die Löhne im Schneiderhandwerk zu den niedrigsten überhaupt zählten. Besser gestellt waren allein die Zuschneider, da von ihrem Geschick die optimale Ausnutzung des Stoffes abhängt. Auch die ab 1860 rasch voranschreitende Verbreitung der Nähmaschine konnte die Lage der Schneider nicht verbessern, vielmehr wurde die Ausbreitung der Konfektion vorangetrieben. Bis weit in das 20. Jahrhundert jedoch behielt die Heimarbeit ihre dominierende Stellung, die Konfektionsindustrie verringerte die Bedeutung des traditionellen Schneiderhandwerks enorm. Auch die weiterhin auf Bestellung arbeitenden Kleinbetriebe benutzten nun zunehmend Maschinen. Daneben wurde ein großes Stofflager unumgänglich, um konkurrenzfähig zu bleiben. Damit steigt der Kapitalbedarf auch für den handwerklichen Kleinbetrieb, dessen Rolle immer prekärer wurde, weil die handwerkliche Maßanfertigung an Bedeutung verlor. Dies konnte die Reparatur und Änderungsschneiderei nicht auffangen. Der Schwerpunkt dieser Entwicklung - und damit der endgültige Niedergang der handwerklichen Schneiderei - fiel aber erst in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Während es bei der Gründung der Bundesrepublik in der Schneiderei noch fast 150.000 Handwerksbetriebe gab, waren es in den späten 1970er Jahren gerade noch 12.000. Der Boden des Schneiderhandwerkes, der stets nur für wenige golden war, ist also zusehends schmäler geworden.

 


Bildergalerie zur Modenschau im Jahre 2000

Hier finden Sie die einzelnen Bilder des Albums. Um eine vergrößerte Ansicht der Bilder zu erhalten, klicken Sie in das Bild.

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau

  • Modenschau

    Modenschau